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Ein Hund mit Geschichte - Die erste Zeit

Als Mona zu mir zog dachte ich, dass ich sie schon ganz gut kenne... Ich war schließlich seit mehreren Monaten regelmäßig bei ihr gewesen und hatte sie in unterscheidlichen Situationen erlebt.

Doch es hat sich gezeigt, dass ich diesen Hund eigentlich gar nicht kannte.

Mona war in der ersten Zeit noch so gestresst von all den neuen Reizen, der neuen Wohnsituation, der neuen Umgebung, dem neuen Alltag. In den ersten Tagen saß sie ständig an der Tür, in der Erwartung dass es eh bald wieder zurück oder raus geht. Ich hatte dadurch das Gefühl, dass sie nicht wirklich da sein wollte. Ich bin viel mit ihr raus um ihren Stress abzubauen, wobei sich gezeigt hat, dass sie Ruhe in geschützem Raum braucht um runterzukommen.

Am Anfang hat sie mich morgens um 5 geweckt um rauszugehen, das konnte ich ihr zum Glück schnell abgewöhnen. Gerade sonntags bin ich wirklich kein Fan davon schon vor Sonennaufgang in 5 Schichten Klamotten zu schlüpfen, damit mein Hund pinkeln kann.

Ich muss auch dazusagen, dass ich die letzte richtige Hundeerfahrung als Kind hatte. Unser Familienhund wurde eingeschläfert als ich 6 war und seitdem habe ich Hunde nur bei Freunden und Bekannten erlebt, was aber definitiv nicht so intensiv war wie einen Hund daheim zu haben. So saß ich die ersten Tage häufig da und hatte das Gefühl keine Ahnung zu haben, was mein Hund mir sagen will, wie es ihr geht, oder was sie von mir erwartet. Ich habe dann viel recherchiert und beobachtet und sie so immer besser lesen gelernt. Aber um ehrlich zu sein saß ich auch sehr oft da, am Rande der Verzweiflung und hatte weder eine Ahnung was mein Hund für ein Problem hatte, noch wie ich damit umgehen sollte.

 

Ich bin dann zu Vorträgen über die Kommunikation von Hunden gegangen und hab eine Trainerin kommen lassen, mit der ich eine gute Basis in der Hundeerziehung erarbeitet habe. Ich bin immer jemand, der alles hinterfragt. So habe ich immer geschaut, ob die Tipps die uns gegeben wurden auch wirklich zu uns passen, oder ob bei uns eine andere Strategie besser funktionieren könnte. Dadurch basiert meine Hundeerziehung auf einer Mischung aus Hundeschule, Recherchen im Internet und einer gewissen Kreativität, um die für uns möglichst passendste Lösung zu finden.

Je mehr ich mit Mona "gearbeitet" habe und je mehr wir im Alltag gemeinsam erlebt haben, desto mehr hat sich aus ihrer Vergangenheit gezeigt. Ich kann nur spekulieren was sie alles erlebt hat in den 3 Jahren bevor sie nach Deutschland kam, aber sie zeigt immer wieder Verhaltensauffälligkeiten, die auf traumatische Erlebnisse schließen lassen. So hab ich nach und nach erst rausgefunden, welche Situationen sie "triggern" und wann ihre Traumata hochkommen.

So reagiert sie zum Beispiel stark unterwürfig, wenn man die Hand vor ihr hebt und einen Gegenstand in der Hand hat. Noch schlimmer ist es, wenn man etwas zu sehr in ihre Richtung wirft (ich hatte eine SItuation, in der ich ihr den Futterbeutel zum Apportieren geworfen habe), dann schreit sie auf und zeigt starkes Beschwichtigungsverhalten. Daraus schließe ich, dass sie Gewalt erlebt hat und versuche solche Situationen zu vermeiden.

Auch reagiert sie stark auf eine bestimmte Sorte alter Roller/Mopeds, auf Donner (aber komischerweise nicht auf Silvesterraketen), auf klatschende Menschenmengen und ist kein großer Fan von fremden Hunden.

All das war wie ein Überraschungsei in diesem Hund verpackt und ich habe nach und nach immer mehr entdeckt, versucht Wege zu finden im Alltag damit umzugehen und unseren Alltag trotz dieser Vergangenheit so entspannt wie möglich für uns beide zu gestalten.

So kann ich nach 2 Jahren sagen, dass ich denke die meisten ihrer auslösenden Reize zu kennen und wir mittlerweile ein gutes Team geworden sind.

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